Northumberland

Northumberland ist eine Grafschaft und eine Unitary Authority in England, gelegen an der Grenze zu Schottland. Die Bezeichnung ergibt sich aus seiner Lage nördlich des Flusses Humber.

In seiner größten Ausdehnung reichte die Grafschaft als Königreich Northumbria unter König Edwin vom Fluss Humber im Süden bis zum Fluss Forth im Norden. Heute erstreckt sich das zu den traditionellen Grafschaften gehörige Northumberland auf ein deutlich kleineres Gebiet.

Bis 1974 gehörte zur Verwaltungsgrafschaft Northumberland noch Newcastle upon Tyne, der traditionelle Verwaltungssitz von Northumberland; heute gehört die Stadt jedoch zum Metropolitan County Tyne and Wear. Der Verwaltungssitz ist jetzt Morpeth.

Insbesondere Sportorganisationen folgen den Veränderungen der Grafschaft von 1974 nicht und zählen Newcastle-upon-Tyne und North Tyneside weiterhin zu Northumberland. Die Grafschaft grenzt offiziell an Tyne and Wear, County Durham, Cumbria und an die Lieutenancy areas von Roxburgh, Ettrick und Lauderdale in Schottland.

Am 1. April 2009 wurden alle Districts und Boroughs in Northumberland im Zuge der Verwaltungsreform 2009 abgeschafft und zur Unitary Authority Northumberland zusammengefasst. Bis zu jenem Zeitpunkt war die Grafschaft in die sechs Districts und Boroughs Blyth Valley, Wansbeck, Castle Morpeth, Tynedale, Alnwick, Berwick-upon-Tweed aufgeteilt.

Northumberland enthält die größte Anzahl von Cup-and-Ring-Markierungen in Großbritannien (Roughting Linn, Dod Law, Lordenshaw, Weetwood Moor und Old Bewick). Diese zumeist bronzezeitlichen Markierungen werden an exponierten Felsen in den Hügeln gefunden.

In der Zeit vor der römischen Eroberung gab es hier bereits Kämpfe benachbarter keltischer Stämme. Northumberland hat eine bewegte Geschichte und war Schauplatz vieler Kriege zwischen England und Schottland. Dies erklärt die vielen Burgen in Northumberland, u. a. recht bekannte wie Bamburgh Castle, Dunstanburgh Castle, Warkworth Castle und Alnwick Castle.

Northumberland wird auch als Wiege des Christentums bezeichnet, weil auf der Insel Lindisfarne, die auch Holy Island genannt wird, die Christianisierung des heutigen Englands begann. Mönche von der schottischen Insel Iona wurden nach England gesandt, um zu missionieren und auf Lindisfarne ihr Kloster zu errichten. Die Insel ist auch Heimat der Lindisfarne Gospels, einer illustrierten Sammlung lateinischer Kirchenlieder, die in der British Library in London aufbewahrt wird. Aus Lindisfarne stammt auch der Hl. Cuthbert, der 651 in das Kloster von Melrose eintrat und in der Kathedrale von Durham begraben ist.

Bamburgh Castle, die historische Hauptstadt von Northumberland, war vor der Vereinigung mit Schottland unter einem Monarchen Königsburg. Heute sind die Hauptorte der Grafschaft Alnwick, wo der Duke of Northumberland beheimatet ist, und Morpeth, wo die Verwaltung der Grafschaft ihren Sitz hat.

Die Grafschaft war ein Zentrum des Katholizismus in England, aber auch der Jakobiten. Die Geschichte Northumberlands ist von Rebellionen gegen die Regierung gekennzeichnet; dies zeigt sich z. B. in der Pilgerfahrt von Grace und im Aufstand des Nordens während der Tudor-Dynastie. Diese Revolten wurden normalerweise vom Duke of Northumberland, der aus der Familie Percy stammt, angeführt. Die meisten dieser Herzöge waren allerdings – ganz gleich, welche Rebellion sie anführten – bereit, ihre Verbündeten zu verraten und Informationen an die Regierung weiterzugeben und ungeschoren davonzukommen. Zwei von ihnen Henry Percy, 1. Earl of Northumberland, und sein Sohn Harry Hotspur werden auch von Shakespeare erwähnt. Northumberland wurde eine Art Wildnis, in der Gesetzlose und Räuber, die Border Reivers, sich vor dem Arm des Gesetzes versteckten. Die Grafschaft war ganz überwiegend ländlich. Nach der Vereinigung von Schottland und England unter König Jakob I. wurde Northumberland friedfertiger.

Archäologen haben im Jahre 2005 während einer routinemäßigen archäologischen Untersuchung eine der größten jungsteinzeitlichen Siedlungen Britanniens in einem Steinbruch in Northumberland entdeckt. Die Überreste bedecken einen Bereich, der die Größe von zwei Fußballfeldern hat. Es handelt sich um Gebäude, Werkzeuge, Töpferware, rituelle Gegenstände und ein Grab. Die Siedlung in der Nähe von Milfield Village, nördlich von Wooler, umfasst drei Gebäude aus der frühen Jungsteinzeit (etwa 4000 v. Chr.) und drei Gebäude der späteren Jungsteinzeit (um 3000 v. Chr.). Der Fund von Überresten einer solchen Menge zusammen angeordneter jungsteinzeitlicher Gebäude ist sehr selten. Laut C. Waddington ist es eine der wichtigsten Stellen ihrer Art, die eine Gelegenheit bietet, das Verständnis für Britanniens erste Bauern, ihren Lebensstil und Glauben zu erweitern.

Auch heute ist Northumberland immer noch sehr ländlich geprägt. Es hat die geringste Bevölkerungsdichte Englands. Seine frühere Bedeutung erlangte Northumberland durch die Grenzkonflikte mit Schottland. Heute werden mit Blick auf die Schönheit der Landschaft sowohl im Inneren als auch an der Küste, die vielen Burgen und die Bedeutung Northumberlands in der Geschichte Englands, Anstrengungen unternommen, Touristen anzuziehen. Versuche, das Bewusstsein für die heimische Kultur auf ein Niveau zu bringen, wie es in Schottland vorherrscht, wurden ebenfalls unternommen, z. B. durch die Gründung einer Northumbrian Language Society, die die einzigartigen Dialekte dieser Region (Pitmatic und Northumbrian) erhalten soll. Der Dialekt der Region um Newcastle upon Tyne wird Geordie genannt.